Von wegen Unkraut!

Kaum zu glauben, dass fast jeder Gartenbesitzer versucht, die Brennnessel mit Stumpf und Stiel auszurotten – immerhin leistet sie seit Menschengedenken in zahlreichen Lebensbereichen wertvolle Dienste: als Tee und als pflanzliche Beilage in der Küche, als vielseitige Heilpflanze, als Dünger im Gemüseanbau, als wichtiges Beifutter in der Viehzucht und sowohl als Faser als auch als Färbepflanze in der Textilindustrie.

Die Brennnessel ist fast auf der ganzen Welt verbreitet, und ihr ausgedehntes und weit verzweigtes Wurzelwerk sorgt dafür, dass sie immer wieder ausschlägt. Sie siedelt sich gern auf brachliegenden Flächen an und wirkt so der Bodenerosion entgegen. Dabei bevorzugt sie sonnige bis halbschattige Standorte und stickstoffhaltige Böden. Sie ist ein ausdauerndes, mehrjähriges Gewächs und und wird bis zu 1,50 m hoch. An ihren Sprossen und Laubblättern befinden sich feine Brennhaare, die bei der kleinsten Berühung abbrechen und einen schlangengiftähnlichen Stoff enthalten, der bei Berührung ein unangenehmes Brennen verursacht.

In Zeiten knapper Nahrung diente die Brennnessel als “Ersatzspinat” und konnte mit ihrem hohen Gehalt an Eisen und Mineralien dazu beitragen, dass wenigstens die Versorgung mit lebenswichtigen Mineralien sichergestellt war. In der ökologischen Viehzucht wird sie aus diesem Grund auch heute noch gerne als vitaminreiches und kräftigendes Beifutter für Küken, Ferkel und Kälber genutzt.

Die Heilwirkung der Brennnessel ist weithin bekannt: die harntreibende und blutbildende Wirkung war schon römischen und griechischen Ärzten bekannt, und auch die schleimlösende und gallenstärkende Wirkung wird in der Naturheilkunde oft beschrieben. Die in der Brennnessel enthaltenen Gerbstoffe helfen gegen Magenbeschwerden und bei Durchfall, und Muskel- und Gelenkerkrankungen lassen sich im Rahmen einer Kur therapieren. Selbst schmerzlindernde Eigenschaften gegen rheumatische und arthritische Beschwerden konnten in einer Studie nachgewiesen werden. Nur bei eingeschränkter Herz- oder Nierenfunktion sollte die Brennnessel nicht angewendet werden.

Schon vor Jahrtausenden wurden Brennnesseln für die Herstellung von Fischernetzen, Stricken und Stoffen verwendet. Die Stängel der alten Pflanzen der Großen Brennnessel haben sehr lange und feste Bastfasern, die extrem reißfest sind und viel Feuchtigkeit aufnehmen können. Deshalb wurden sie noch im Zweiten Weltkrieg für die Herstellung von Armee-Bekleidung verwendet. In früheren Zeiten galten sie als Leinen der armen Leute, und insbesondere zu Zeiten der Baumwollknappheit boomte der Anbau von Brennnessel für die Textilindustrie. Seit Hanf als alternativer textiler Rohstoff wiederentdeckt wurde, ist daneben auch Nessel wieder mehr in den Blickpunkt gerückt.

Große Brennnessel (Urtica dioica), Haarnessel, Saunessel, Nettel, Donnernessel, Feuerkraut, Eselskraut, Scharfnessel, Hanfnessel
Brennessel_jung

Brennnesseltee:

8 TL junge getrocknete Brennnesselblätter mit
1 Liter kochenden Wasser übergießen.
Sud 10 Minuten lang ziehen lassen und mit einem feinen Sieb abseihen.

2 – 3 Tassen pro Tag trinken

Wirkt harntreibend, entzündungshemmend, entschlackend und schmerzlindernd.

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